Familienministerium

Donnerstag, 6. Oktober 2005

Ausländerfeindliches aus Kärnten zur steirischen Landtagswahl:

In der Nummer 39/2005 des österreichischen Politikmagazins NEWS, vom 29. September 2005, war auf Seite 32 unter dem Titel "Schüssel spielt eine falsches Spiel" folgendes zu lesen:
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RUNDUMSCHLAG. Vor der steirischen Wahl attackierte Jörg Haider [er ist der Bruder der Familienministerin, M.H.] den Kanzler, will "das Tempo in der Regierung verschärfen" - und polemisiert gegen Ausländer.

......
NEWS: Glauben Sie, dass die ÖVP in der Steiermark den ersten Platz halten kann?

Haider: Klasnic wird auf jeden Fall einen Partner brauchen. Und wir werden sie nur unter ganz bestimmten Bedingung zur Landeshauptfrau wählen. Sie muss die Wohnbaupolitik verändern, und sie muss vor allem die Asylpolitik ändern. In Graz gibt es ein echtes Ausländerproblem, dort gibt es in einzelnen Stadtteilen eine so starke Ausländerdichte, dass wirkliche Auslnderfeindlichkeit gezüchtet wird. Das haben Klasnic und Schüssel zu verantworten. Es muss einen scharfen Schnitt in der Ausländerpolitik geben.

NEWS: Jetzt kehren Sie also wieder zu Ihren alten Parolen zurück. Sie wissen aber ganz genau, dass die Ausländerpolitik nur von der Bundesregierung verändern werden kann. Ist Ihre Partei nicht Regierungsmitglied?

Haider: Natürlich ist das etwas, das die Bundesregierung machen muss. Es geht einfach nicht, dass es so hohe Arbeitslosenzahlen bei Ausländern gibt. Die, die keine Arbeit haben, müssen zurück in ihre Heimat.

NEWS: Und diese radikale Gesetzesänderung werden Sie gegen Kanzler Schüssel durchsetzen?

Haider: Schüssel wird mit seinem Arbeitsmininister Bartenstein eine Lösung präsentieren müssen. Derzeit haben sie sehr viele Ausländer, die keine Arbeit haben, und züchten sich Sozialhilfeempfänger. Es gibt nicht nur in Graz ein Problem mit Ausländern. Schüssel muss das Ausländerthema lösen, denn es wächst bereits ein gefährliches Potential an Ausländerfeindlichkeit heran, Wenn der Kanzler nichts unternimmt, dann ensteht bald eine explosive Situation. Man muss auch endlich Klassen mit mehr als 30 Prozent Ausländeranteil trennen. .....
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Nun, Frau Klasnic's ÖVP wurde in der Steiermark nur mehr zweite Kraft. Das BZÖ indessen hätte sie auch im anderen Fall nicht bei der Landeshauptfrauen-Kür unterstützen können, da es mit 1,7 Prozent den Einzug in den steirischen Landtag nicht geschafft hatte. Auch die Mutterpartei FPÖ verpasste den Einzug:

Ausländerfeindliche Parolen sind derzeit in Österreich also nicht mehr mehrheitsfähig.

Jörg Haider hat allerdings die Arbeit seiner Schwester im Familienministerium mit Aussagen wie den oben zitierten meiner Meinung nach nicht unbedingt erleichtert. Ich warte jedenfalls weiterhin auf starke und vor allem flächendeckende Familien-Frühförder-Signale aus dem Familienressort..... Und auch auf eine Vernetzung, Optimierung und Förderung der bereits bestehenden Initiativen im gesamten Bundesgebiet.

Meine Dankeschön mit einer ergänzenden Nachschrift

Der im Sommer in Tirol erfolgte mediale Schlagabtausch zwischen der grünen Landtagsabgeordneten Uschi Schwarzl und dem Bildungslandesrat Sebastian Mitterer bezüglich der vor allem auch die Familienförderung betreffenden "sprachlichen Frühförderung" führte dann zu einem weiteren Schreiben an die Ministerin:

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Krebsbach, 28. August 2005

Sehr geehrte Frau Ministerin Haubner!

Zuerst einmal einen herzlichen Dank, für die wohlwollende Entgegennahme meines Schreibens vom 26. Juni samt Unterlagen sowie Ihr ermunterndes Antwortschreiben vom 15. Juli 2005.

Seitdem ist vieles geschehen! Unter anderem haben mich verschiedene Ankündigungen und eine parteipolitisch motivierte Mediendebatte in der Tiroler Tageszeitung sehr nachdenklich gemacht.

Der Grund: die sprachliche Frühförderung, über die die Bildungsministerin, Frau Elisabeth Gehrer, in der Pressemitteilung vom 5. August 2005 schreiben ließ:

Bundesländer greifen Gehrer-Initiative zur frühen Sprachförderung auf
6 Bundesländer legen Schuleinschreibung vor – Bund unterstützt Sprachförderung in Kindergärten mit 80€ je Kind
Frühe Anmeldung, frühe Diagnose, frühe Förderung – diese drei Schritte sind die Bestandteile der Initiative von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, die sie gemeinsam mit Innenministerin Liese Prokop und Sozialministerin Ursula Haubner ins Leben gerufen hat. Damit wird Kindern, welche die Unterrichtssprache nicht ausreichend beherrschen, bereits vor dem Schuleintritt eine sprachliche Frühförderung geboten. „Alle Schülerinnen und Schüler sollen die Unterrichtssprache verstehen. Je früher dies gefördert wird, desto größer sind die Chancen für die Zukunft der Kinder. Deshalb unterstützt der Bund die Länder bei der frühen Sprachförderung in den Kindergärten“, erklärte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer. ….

Quelle: http://www.bmbwk.gv.at/ministerium/pm/20050805.xml

Für mich war die Tiroler Mediendebatte zu diesem Thema so abstoßend, dass ich einen Leserbrief verfasste, weil für mich die für Herbst geplanten Maßnahmen leider nichts anderes als ein Etikettenschwindel sind (siehe Beilage Leserbrief).

Wie Sie meiner kleinen Studie entnehmen konnten, beschäftige ich mich seit geraumer Zeit mit der sprachlichen Frühförderung via Hausbesuch in Einwandererfamilien aus der Türkei. In mein aktuelles Forschungsprojekt stieß im August eine erste Pilotfamilie, für die ich beispielhaft ein neues Konzept entwickle, das wesentlich weiter geht, als meine bisherige Arbeit oder die geplante „sprachliche Frühförderung“. Und schon bei den Recherchen zur Begleitstudie zu diesem Konzept stieß ich, auf einige sehr interessante Ansätze in Deutschland, die die Richtigkeit meines Konzeptes bestätigten:

Frühförderprogramm: OPSTAPJE - Schritt für Schritt
http://www.bildungsserver.de/db/mlesen.html?Id=18013
Modellprojekt mit wissenschaftlicher Begleitung, durchgeführt vom Deutschen Jugendinstitut. Bei OPSTAPJE -Schritt für Schritt handelt es sich um ein zweijähriges Frühförderprogramm. Es ist für Kinder vom 2. - 4. Lebensjahr aus Familien in belasteten Lebenslagen und -situationen konzipiert und als Hausbesuchsprogramm organisiert. Mit dieser -Gehstruktur- sollen Familien in der Erziehung ihrer Kinder unterstützt werden, die durch die üblichen -Kommstrukturen- der Erziehungs- und Lebenshilfe schlecht oder nicht erreicht werden.

Hippy - Home lnstruction Program for Preschool Youngsters
http://www.bildungsserver.de/db/mlesen.html?Id=22784
HIPPY (Home Instruction Program for Preschool Youngsters) ist ein frühkindliches Lernprogramm, welches die kognitiven Fähigkeiten und die Sprachkompetenzen von Kindern fördert. HIPPY wird vor allem zur Förderung der sozialen Integration von Aussiedler- bzw. ausländischen Kindern eingesetzt.

Rucksack-Projekt - Ein Konzept zur Sprachförderung und Elternbildung im Elementarbereich
http://www.bildungsserver.de/db/mlesen.html?Id=24952
´´Der Arbeitskreis IKEEP (Interkulturelle Erziehung im Elementar- und Primarbereich) der Regionalen Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) in NRW hat das aus den Niederlanden stammende Programm adaptiert und für den Einsatz in Deutschland übersetzt bzw. überarbeitet. ´´ Die Seite stellt das Konzept vor und geht auf die folgenden Punkte ein: Methodische Vorgehensweise, das Rucksack-Projekt in Rotterdam, Rucksackmodelle, Zielsetzungen, Evaluation und Stimmen aus der Praxis sowie ergänzende Programme.

In einem Artikel der Nürnberger Nachrichten vom 26.2.2005 zu Projekt „Spielend Lernen in Familie und Stadtteil“ (Informationen schickte ich Ihnen bereits mit meinem ersten Brief) wird die Referentin Molly Duncan folgendermaßen zitiert:

„Ein Dollar, der in die frühkindliche Entwicklung investiert wird, ersetzt sieben Dollar, mit denen Versäumtes später nachgeholt werden muss,“

In diesem Sinne bitte ich Sie nun, sich dafür einzusetzen,

dass dieses Chaos und der Etikettenschwindel um die „sprachliche Frühförderung“ endet und endlich wirkungsvollere Integrations-Maßnahmen unterstützt werden, die eine echte Frühförderung für Kinder mit Migrationshintergrund bedeuten.

Mit herzlichen Grüßen verbleibt

Monika Himsl


Beilagen:
1 Leserbrief (Kopie)
1 einige Artikel der Tiroler Tageszeitung, sowie 2 Artikel der Nürnberger Zeitung
1 Konzeptentwurf zur bilingualen Frühförderung.

Die ministerielle Anwort

Die ministerielle Antwort erfolgte durch das Kabinett der Bundesministerin für soziale sicherheit, Generationen und Konstumentenschutz, Unterzeichner:
Dipl.- Betriebsw. (BA)=MA Renè Schmidpeter
Fachreferent, wie folgt:

____________________________________

Wien, den 15. Juli 2005

Sehr geehrte Frau Himsl!

Frau Bundesministerin Ursula Haubner hat Ihr Schreiben bezüglich "Unsere Familienleistungen für Österreich" persönlich gelesen und mich gebeten, Ihnen zu antworten.
Ihr Anliegen wurde an die zuständige Fachabteilung V/3 im Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz weitergeleitet.

Mit freundlichen Grüßen

Renè Schmidpeter

Briefe an Familienministerin Ursula Haubner

Im Juni 2005 flatterte mir ein grundsätzlich in blassem orange gehaltener Folder des Familienministeriums ins Haus. Unterzeichnerin: BZÖ-Familienministerin Ursula Haubner

Diese ministerielle Drucksorte regte mich zu folgendem Brief an:
_______________________________________________________

Krebsbach, 26. Juni 2005

Sehr geehrte Frau Ministerin Haubner!

Mit großem Interesse las ich den Folder „Unsere Familienleistungen für Österreich“, der mir vergangene Woche zugesandt wurde.

Da ich selbst allein erziehende Mutter eines 17-Jährigen bin, kenne ich die großartigen Familienleistungen unseres Landes und schätze sie. Da ich jedoch auch ehrenamtlich in einem selbst initiierten Projekt, dem Cin Ali Lernklub, tätig bin, kenne ich auch andere Realitäten, die leider gar nicht so toll sind.

Die Zielgruppe unseres Projektes sind Einwandererfamilien aus der Türkei, denen wir beim Lernen und bei der Integration helfen.

Warum?

Der Grund ist das, was Frank Schirrmacher in seinem Buch „Das Methusalem-Komplott“ auf Seite 52 mit drastischen Worten so beschrieb:

„Die Integrationsaufgabe, die den heute lebenden Generationen bevorsteht, ist außerordentlich: Sie müssen die Vielzahl der vermutlich überwiegend muslimischen Einwanderer integrieren, sie müssen unsere Kinder, angesichts einer Überzahl von Älteren davon abbringen, das Land zu verlassen, und sie müssen gleichzeitig künftige junge Mütter in die Lebens- und Arbeitswelt integrieren. In einem Augenblick, da unsere Gesellschaft wegen ihres desaströsen Altersaufbaus selbst in eine Werte- und Selbstbewusstseinskrise geraten wird, muss es uns außerdem gelingen, die mindestens jährlich 200 000 [im Falle von Deutschland, M.H.] Zuwanderer auf westliche Werte, die Landessprache und einen aufgeklärten westliche Patriotismus zu verpflichten!“

Die Situation in Österreich ist vergleichbar. Die demographische Entwicklung Österreichs und der Einwanderungsdruck vor allem auch aus der Türkei führt in manchen Orten zu einem (durch Außen- und Binnenzuwanderung!!!) stetig steigenden Anteil türkischsprachiger Menschen, die durchaus schon hier geboren und aufgewachsen sind. Ohne schnellstens und flächendeckend initiierte Integrationsmaßnahmen für diese Familien führt diese Tendenz, die laut den jüngst veröffentlichten Daten der Austria Statistik besonders Städte betrifft, zu enormen sozialen Spannungen, die die soziale Sicherheit Österreichs gefährden.

Und das umso mehr, als sich einige Menschen in Österreich in dieser ohnehin schon kritischen Situation noch damit hervor tun, mit gezielten Aktionen die Angst vor „Überfremdung“ permanent zu schüren.

So bitte ich Sie deshalb in Ihrer Funktion als Ministerin für soziale Sicherheit, die Bemühungen für eine Beschleunigung der Integration vor allem der türkischen Familien mit österreichischer Staatsbürgerschaft zu vervielfachen.

Unser Projekt hat im vergangenen Semester ein vom Land Tirol mit € 2000,- gefördertes „Familien-Lernhilfe-Projekt“ durchgeführt, dessen Evaluationsstudie einige interessante Ergebnisse in diesem Zusammenhang erbrachte, die sich teilweise mit der Projektbeschreibung zum Nürnberger Modell „Spielend Lernen in Familie und Stadtteil“ in der Zeitschrift AID – Integration in Deutschland decken.

Ich erlaube mir, Ihnen unsere kleine Studie und die Zeitschrift beizulegen.

Gibt es in Österreich eine Internetplattform oder sonstige Netzwerke, die die Aktivitäten bezüglich der Integration von Einwandererfamilien darstellen und die Initiativen vernetzen?

Und vor allem: Gibt es Bundes-Mittel für Projekte wie unseres, das sich derzeit nur durch die eigene Familien fast schon gefährdende Selbstausbeutung meinerseits, Wettbewerbsgewinne und kleine Landesförderungen am Leben hält und dessen Zukunft ungewiss ist.

Mit besten familienfreundlichen Grüßen verbleibt

Monika Himsl

Beilagen:
1 Evaluationsstudie zum Familien-Lernhilfe-Projekt
1 Zeitschrift AID
1 Folder zum aktuellen Projekt „Alfabem“

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